In der Automobilindustrie entscheidet nicht das einzelne Musterteil über die Zusammenarbeit, sondern die Prozesssicherheit über die Serienlaufzeit. Ein Zulieferer, der in der Bemusterung überzeugt und ein halbes Jahr später streut, verursacht Kosten, die niemand eingeplant hat. Wir fertigen Tiefzieh- und Stanzteile für Fahrzeuganwendungen mit den Nachweisen, die ein Automobilzulieferer für seine Lieferkette braucht — und mit Werkzeugen, die sich korrigieren lassen, wenn der Prozess es verlangt.
Was die Automobilindustrie anders macht
Ein Bauteil für ein Industriegerät und ein Bauteil für ein Fahrzeug können geometrisch identisch sein. Der Unterschied liegt nicht im Produkt, sondern im Nachweis.
| Anforderung | Was sie konkret bedeutet |
|---|---|
| Charge nicht veränderbar | Nach der Freigabe darf der Prozess nicht stillschweigend geändert werden — Werkzeug, Werkstoff, Wärmebehandlung und Lieferantennummer bleiben gleich. Änderungen werden vorab abgestimmt. |
| Erstmusterprüfbericht (EMPB) | Alle vereinbarten Merkmale werden am ersten seriennah gefertigten Teil gemessen und dokumentiert — mit Bezug auf die Zeichnung, nicht mit einer Zusammenfassung. |
| Rückverfolgbarkeit | Jede Lieferung lässt sich auf Werkstoffcharge, Fertigungszeitraum und Werkzeugstand zurückführen. Wird ein Problem erkannt, ist der betroffene Bereich eingrenzbar statt pauschal. |
| Nachweispflicht über die Laufzeit | Die Dokumentation endet nicht mit der Freigabe. Messwerte pro Charge, Werkzeugstandzeiten und Änderungen werden über die Projektlaufzeit geführt. |
| Kapazität muss planbar sein | Weil die Mengen weit im Voraus festliegen, braucht der Kunde eine belastbare Zusage, nicht eine Bestätigung pro Bestellung. Deshalb liegen Werkzeugbau und Pressenpark im selben Haus. |
Typische Bauteile im Fahrzeug
Tiefgezogene und gestanzte Teile sitzen in praktisch jedem Fahrzeugsystem. Die folgende Übersicht zeigt, wo wir am häufigsten liefern — mit den Werkstoffen und Verfahren, die sich dort bewährt haben.
| Fahrzeugbereich | Bauteile | Verfahren |
|---|---|---|
| Antrieb und Motoren | Motorgehäuse, Endkappen, Joche, Rahmen für Wischer-, Fensterheber-, Pumpen- und Startermotoren | Tiefziehen, Folgeverbundstanzen, CNC |
| Sensorik und Elektronik | Sensorgehäuse und Kappen für Lambda-, Positions-, Temperatur- und Drucksensoren | Tiefziehen, CNC-Nachbearbeitung |
| Fluidsysteme | Ventilröhrchen und Hülsen für Expansions-, Magnet- und Rückschlagventile | Mehrstufiges Tiefziehen, CNC, Laserschweißen |
| Interieur und Verkleidung | Abdeckungen und Blenden, Halter und Befestigungsteile | Tiefziehen, Stanzen und Biegen |
| Beleuchtung | Reflektortöpfe, Fassungshülsen, Abschirmungen | Tiefziehen, Oberflächenbehandlung |
Werkstoffe in der Fahrzeuganwendung
Im Fahrzeug entscheidet die Einbaulage über den Werkstoff — nicht das Bauteil an sich. Ein Halter im Innenraum und ein Halter im Radkasten haben dieselbe Zeichnung und völlig unterschiedliche Anforderungen.
| Werkstoff | Einbaulage | Begründung |
|---|---|---|
| DC01 / DC04 | Innenraum, trockene Bereiche, Motorkomponenten | Wirtschaftlich, gut umformbar, magnetisch — Standard für Gehäuse und Rahmen |
| Edelstahl 1.4016 | Feuchte Bereiche, Spritzwasser, magnetischer Rückschluss | Korrosionsbeständig und magnetisch; günstiger als Austenit |
| Edelstahl 1.4301 / 1.4404 | Abgas, Salz, Bremsflüssigkeit, Kältemittel | Hohe Korrosionsbeständigkeit; 1.4404 mit Molybdän gegen Chloride |
| Aluminium EN AW-5052 | Gewichtsoptimierte Bereiche, Gehäuse ohne Magnetfunktion | Gewichtsvorteil; gute Korrosionsbeständigkeit; nicht magnetisch |
Für Fahrzeuganwendungen kommt ein Aspekt hinzu, der leicht übersehen wird: Beständigkeit gegen Medien, die im Betrieb auftreten — Streusalz, Kraftstoff, Bremsflüssigkeit, Kältemittel und Kondensat. Diese Beständigkeit ist werkstoffgebunden und lässt sich nicht über eine Oberflächenbehandlung ersetzen. Wo sie gefordert ist, gehört sie in die Werkstoffspezifikation, nicht in die Nachbearbeitung.
Qualitätssicherung für die Serie
In der Automobilzulieferung ist die Freigabe der Anfang, nicht das Ende der Prüfpflicht. Deshalb sind unsere Prüfmittel Teil der Produktion und nicht eine Endkontrolle am Rand.
- Prozessfähigkeit — auf Wunsch weisen wir für die vereinbarten Funktionmaße Prozessfähigkeitswerte (Cpk) nach.
- 3D-Koordinatenmessung — Form- und Lagetoleranzen auf dem Funktionsbezug, pro Charge dokumentiert.
- Automatische Sichtprüfung — Oberflächenfehler, Ziehriefen und Risse werden aussortiert, bevor verpackt wird.
- Werkstoffzeugnis 3.1 nach EN 10204 — Chargenrückverfolgbarkeit bis zum Stahlwerk.
- Salzsprühnebelprüfung und Metallografie — Korrosionsbeständigkeit und Gefügezustand, besonders nach Zwischenglühungen.
- Erstmusterprüfbericht (EMPB) — vollständig bemaßt, ergänzt um Prozess- und Werkstoffnachweise.
Werkzeugstrategie und Kapazität
In der Fahrzeugfertigung liegen die Jahresmengen früh fest — und damit auch die Werkzeugart. Ein Einzelwerkzeug für ein Gehäuse, von dem 800.000 Stück pro Jahr gebraucht werden, wäre eine Fehlentscheidung, die sich über die Projektlaufzeit summiert.
Wir legen die Werkzeugstrategie gemeinsam mit Ihnen fest und rechnen die Alternativen durch: Einzelwerkzeug, Transferwerkzeug oder Folgeverbundwerkzeug im eigenen Werkzeugbau. Weil Werkzeugkonstruktion und Werkzeugbau im Haus liegen, sind Änderungen ohne Lieferantenrundlauf möglich — das ist in der Anlaufphase einer neuen Baureihe der entscheidende Faktor.
Die Kapazität reicht von mechanischen Pressen mit 5 bis 250 t bis zu hydraulischen Pressen mit 250 bis 500 t. Details finden Sie unter Fertigungskapazität.
Logistik und Lieferkonzepte
Ein Bauteil, das termingerecht gefertigt und falsch verpackt wird, kommt trotzdem beschädigt an. Deshalb stimmen wir die Verpackung im Erstmuster ab.
- Korrosionsschutz — VCI-Folie, Trockenmittel oder Zwischenlagen gegen Feuchtigkeit auf dem Seeweg.
- Handling-Schutz — Zwischenlagen für empfindliche Oberflächen und gezogene Teile ohne Verformungsrisiko.
- Kundenspezifische Behälter — Kanban-Behälter und Rücklaufbehälter auf Anfrage.
- Abrufkonzepte — Lieferung nach Abruf, in vereinbarten Losen und mit festgelegter Kennzeichnung.
Häufige Fragen
Welche Unterlagen erhalten wir zum Erstmuster?
Wir liefern einen vollständig bemaßten Erstmusterprüfbericht, in dem jedes vereinbarte Merkmal mit Messwert und Toleranz aufgeführt ist, ergänzt um Werkstoffzeugnisse 3.1 nach EN 10204. Auf Wunsch kommen Prozessfähigkeitsangaben (Cpk) für die Funktionmaße und eine Zeichnung mit eingezeichneten Messpunkten hinzu. Wenn Ihr Haus ein eigenes EMPB-Formular verwendet, arbeiten wir darin.
Wie wird mit Änderungen während der Serie umgegangen?
Änderungen am Werkstoff, am Werkzeug oder am Prozess werden vor der Umsetzung abgestimmt — sie laufen nicht stillschweigend mit. Werkzeugkorrekturen, die der Prozess erfordert (beispielsweise eine Anpassung des Ziehrings), dokumentieren wir mit Datum und Grund. So bleibt nachvollziehbar, welches Los mit welchem Werkzeugstand gefertigt wurde.
Können Sie auch kleine Serien liefern?
Ja. Für Erprobungsträger und Vorserien liefern wir auch kleinere Stückzahlen — der Werkzeugaufwand bleibt dabei derselbe, der Stückpreis ist entsprechend höher. Ein sinnvoller Weg ist häufig, mit einem einfacheren Werkzeug in die Vorserie zu gehen und die Auslegung für die Serie nach der Erprobung anzupassen. Wir rechnen beide Varianten durch.
Senden Sie Zeichnung und Jahresmenge an larry@aunov.com — Sie erhalten eine Machbarkeitsprüfung mit Werkzeugempfehlung, Werkstoffvorschlag und den Nachweisen, die Ihr Haus benötigt. Antwort in der Regel innerhalb von 24 Stunden.
